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"Ihr habt sie in die Hölle Libyens zurückgeschickt"

“Sie haben sie in den sicheren Tod geschickt. Die werden sie töten, sie werden auch ihre Kinder töten. Das dürfen die Italiener nicht zulassen. In Libyen haben sie uns gefoltert, geschlagen, vergewaltigt, uns monatelang wie Sklaven behandelt. Dann lieber auf dem Grund des Meeres enden. Oder in der Wüste sterben. Aber nicht in Libyen.” Sie haben Tränen in den Augen, die nigerianischen, somalischen, äthiopischen Frauen. Die “Glücklichen”, die in den letzten Wochen auf Lampedusa angekommen sind und die vom türkischen Handelsschiff PINAR. Sie haben erfahren, dass mehr als 200 andere Unglückliche wie sie von der italienischen Marine gerettet und „in die libysche Hölle“ zurückgeschickt wurde, wo sie gestern morgen ankamen.

Unter ihnen auch 41 Frauen. Einige haben starke Verbrennungen, andere dehydrierten. Aber die schlimmste Krankheit ist es, nach Libyen zurückgebracht zu werden. Von wo aus „sie nach Vergewaltigung und Folter geflohen waren. Nicht nur die Frauen, auch die Männer.“

Die, die es überlebt haben, erzählen auf Lampedusa von der Tragödie, die sich dort abspielt. Die berichten von den Verletzungen, deren Zeichen sie auf dem Körper tragen, die Spuren der Zigaretten, die auf ihren Armen oder im Gesicht von den Menschenhändlern ausgedrückt wurden. Schreckliche Geschichten, die sie nie vergessen werden. Wie die von Florence, einer Nigerianerin, die vor einigen Monaten mit einem gerade ein paar Tage alten Kind auf Lampedusa ankam. Sie hat es in der Kirche von Lampedusa auf den Namen Sharon taufen lassen, aber an diesem Tag waren ihre tiefschwarzen Augen, die wie zwei Obsidiane glänzen, traurig. Dieses Kind hat keinen Vater und wird niemals einen haben.

“Sie haben mich vergewaltigt, immer wieder, zu dritt oder zu viert. Auch, wenn ich schon ohnmächtig wurde oder um Gnade rief, machten sie weiter und bin schwanger geworden. Ich weiß nicht, wer Sharons Vater ist, ich will das Alles nur vergessen und bitte Gott, sie in Frieden leben zu lassen.“ Neben Florence sitzt eine Somalierin. Auch sie hat die Hölle erlebt. „Als ich mein Dorf verlassen habe brauchte ich vier Monate bis zur libyschen Grenze, da haben sie uns dann an Schlepper und an libysche Polizisten verkauft. Sie haben uns in Container gesteckt, abends kamen sie und holten uns, eine nach der anderen, und vergewaltigten uns. Wir konnten nichts dagegen tun, nur beten, dass dieser Alptraum aufhören möge.“ Sie berichten von ihrer Wallfahrt durch die Wüste, der Polizei und den Schleppern ausgeliefert. „Sie fragten uns immer nach Geld, aber wir hatten nichts mehr. Aber sie machten immer weiter, fesselten uns über Tage, weil sie hofften, etwas aus uns rauszupressen.“

Die Erzählungen werden oft unterbrochen, die Frauen weinen, wenn sie sich an diese Zeit erinnern, diese Monate in der Halle in der Wüste. In der Nähe de Strände in der Hoffnung, dass sie irgendwann losfahren können. Und sie erinnern sich an ihren Cousin, ein Junge von 17 Jahren, der aufgrund der Misshandlungen verrückt geworden. Die libyschen Polizisten haben ihm mit dem Knüppel Kopfverletzungen zugefügt. „Er ist immer noch in Libyen, er ist verrückt geworden. Sie behandeln ihn wie einen Sklaven, sie haben ihn die demütigsten Arbeiten machen lassen. Er irrt durch die Straßen wie ein Geist. Seine Schuld war es schwarz zu sein, Abramo zu heißen und „Israelit“ zu sein. Sie haben ihn bis aufs Blut auf den Kopf geschlagen, sie haben ihn auch vergewaltigt. Dieser Junge hat kein Leben mehr, sie haben ihm die Seele geraubt. Wir beten für ihn. Nicht, damit er lebt, sondern damit er schnell stirbt, denn dann kann er endliche Frieden finden.“

Die Wochen und Monate in der libyschen “Haft” in der Nähe der Küste von Zuwarah werden sie nie vergessen. „Viele von uns sind schwanger geworden, aber auch dann haben sie uns weiter vergewaltigt, sie ließen uns nicht in Frieden. Viele haben versucht, sich umzubringen, sie warteten die Nacht ab, um nicht gesehen zu werden, dann nahmen sie einen Strick, ein Laken, irgendwas, um sich aufzuhängen. Ich weiß nicht, ob das Leben oder der Tod besser waren. Jetzt in Italien sind wir ruhiger, aber wie kann ich mich nicht schlecht fühlen, wenn ich an die vielen anderen Frauen und Männer denke, die genauso wie wir auf See gerettet und dann in die Hölle zurückgeschickt wurden? Das ist nicht richtig, das ist unmenschlich, man kann nicht schlafen, wenn man an so etwas denkt. Warum habt ihr das gemacht?“

“Wir waren allein, aber es gab auch Paare. Oft starben die Männer aufgrund der Misshandlungen und der Folter, die sie erleiden mussten. Ihre Frauen wollten mit ihnen sterben. Die Wut, der Schmerz, die Ohnmacht haben ihre Gesichter verändert, ihre Augen, sie werden Seelenlose, Körperlose. Helft und, helft ihnen. Ihr Italiener sied nicht schlecht. Wir können nicht unser Leben in der Wüste, auf dem Meer riskieren, um dann zurückgeschickt zu werden wie Schlachtvieh und das noch einmal erleben müssen, was wir zu vergessen suchen.“ Hope, 22 Jahre alt, Nigerianerin, ist eine der Überlebenden einer fürchterlichen Überfahrt. Mit ihr waren auch eine Freundin und ihr Mann im Boot. Sie reisten mit ihren beiden Kindern. Sie starben vor Hunger und Durst, sie mussten ihre Körper ins Meer werfen. „Wie können wir so etwas vergessen?“ Auch sie waren in Libyen, auch sie haben Folter und Misshandlungen erlebt, man gab ihnen kein Wasser, kein Essen, man behandelte sie wie Tiere. Sie haben uns das ganze Geld gestohlen. Monat um Monat haben sie uns in ihren Häusern und Firmen wie Sklaven arbeiten lassen, für 10, 20 Dollar im Monat. Aber wir durften uns nicht auf der Straße zeigen, denn sie mieden uns wie Pestkranke. Sklaven, Gefangene in diesen schrecklichen Schuppen, in denen alle enden, die aus Italien zurückgeschickt werden. Niemand weiß, welches Ende sie nehmen, ob sie überleben oder nicht, ob die Überlebenden abgeschoben werden, nach Somalia, Nigeria, Sudan, Äthiopien. Wenn das passieren sollte, dann bitte ich Gott, dass er sie sofort sterben lässt.“
Von Francesco Viviano, aus dem Italienischen von Judith Gleitze


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